Presse
Life Science Start-up Day – Perfekte Premiere in Göttingen

Göttingen, 03. Februar 2020

Life ScienceEntrepreneurship

von Stefan Kübler, startup.niedersachsen

In Göttingen hat der erste Life Science Startup Day zahlreiche Teilnehmer*innen aus der Gründerszene begeistert. Die neuartige Konferenz befasste sich mit hilfreichen Themen rund um Unternehmensgründung, Fundraising und Netzwerke. Als Redner gaben unter anderem Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann und der Göttinger Nobelpreisträger Stefan Hell motivierende Impulse.

Die allererste Ausgabe des Life Science Startup Day am 22.1.2020 in Göttingen feierte eine gelungene Premiere. Gemeinsam mit startup.niedersachsen, BioRegioN, Sartorius und Ottobock hatte die Life Science Factory diese Konferenz auf die Beine gestellt. Zahlreiche Teilnehmer*innen aus der Gründerszene sowie aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft hatten sich im Göttinger StartRaum eingefunden, um neue Impulse für den Startup-Standort Niedersachsen zu setzen.

„Was wollt ihr später mal gründen?“

 

Schon die Eröffnung durch Marco Janezic, Geschäftsführer der Life Science Factory, war von Motivation und Innovationswillen geprägt. Zum Einstieg in die Konferenz bat er Stefan Muhle auf die Bühne, der als Staatssekretär des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung zu den Rahmenbedingungen für eine Unternehmensgründung in Niedersachsen befragt wurde. „Unternehmertum fängt im Kopf an“, sagte Muhle. „Wir müssen eine Kultur entwickeln, in der Gründung angestrebt wird. Kinder sollten nicht mehr gefragt werden, was sie später mal werden wollen, sondern was sie später mal gründen wollen.“

Nach diesen einleitenden Impulsen bekamen alle Konferenzteilnehmer*innen einen exklusiven Einblick in eine aktuelle Unternehmensgründung. Als konkretes Beispiel schilderte die IndiScale GmbH ihre Zusammenarbeit mit dem SNIC Life Science Accelerator. Henrik tom Wörden und Daniel Hornung erläuterten das Geschäftsmodell von IndiScale, eine Open-Source-Software für individuelles Datenmanagement für die Bereiche Forschung und Entwicklung. Mit der Idee hätten sie offene Türen eingerannt, doch bei der Unternehmensgründung seien sie auf Experten angewiesen gewesen.

An diesem Punkt kam der Life Science Accelerator, vertreten durch Isabella Gekel, ins Spiel. Der Accelerator unterstützt Unternehmen, die jünger sind als fünf Jahre. Über einen Zeitraum von maximal sechs Monaten können Startups kostenlos Beratungsleistungen und Büroräume in Anspruch nehmen. Bei 91 Prozent der teilnehmenden Startups habe man so zu einer Beschleunigung der Gründungsphase beitragen können, so Gekel.

Inspirierende Keynote vom Nobelpreisträger

Den ersten Höhepunkt des Life Science Startup Day in Göttingen lieferte Nobelpreisträger Prof. Stefan Hell mit einer unterhaltsamen Keynote. Der Direktor des Max-Planck-Instituts für Biophysikalische Chemie schilderte auf anschauliche Weise, dass auch seine wissenschaftliche Karriere ohne Startups nicht funktioniert hätte.

„Ich war daran interessiert, ein Problem zu lösen, eine Grenze zu überwinden“, so Hell. Gemeint war die Grenze in der mikroskopischen Darstellung von Molekülen. Ideen dazu hätte er schon frühzeitig entwickelt, doch keiner habe ihm glauben wollen. Erst in Göttingen habe er die Chance bekommen, die entscheidenden Experimente durchzuführen, für die er 2014 schließlich den Nobelpreis bekam („Ich durfte skandinavische Könige kennenlernen“).

Hells Erfindung der STED-Mikroskopie habe schließlich zur Gründung eines eigenen Startups geführt. Bei der Entwicklung der Mikroskope habe er die Kontrolle behalten sowie die Stellen am Ursprungsort Göttingen halten wollen. Das entstandene Unternehmen Abberior Instruments habe heute 50 Mitarbeiter*innen.

Mit Startups effizienter arbeiten

Anschließend stellten sich Sartorius und Ottobock, die beiden Industriepartner der Veranstaltung, vor und machten deutlich, warum ihnen die Zusammenarbeit mit Startups so wichtig ist. Monika Fischler vom Pharmaunternehmen Sartorius erläuterte, dass man immer auf der Suche nach neuen Ideen sei, die den Prozess der Wirkstoffentwicklung verbessern („Alles ist denkbar“). Güngör Kara vom Orthopädie-Spezialisten Ottobock erklärte, dass das Unternehmen mit Startups schneller, besser und effizienter werden möchte, zum Beispiel in den Bereichen 3D-Druck und Smart Apps („Innovationen passieren hauptsächlich in Überlappungen“).

Der letzte Vortragsslot des Vormittags gehörte dem Thema Finanzierung. Alexander Nuyken vom Finanzdienstleister EY verglich die Finanzierung von Startups mit einer Reise im Elektroauto von München nach Hamburg, ohne zu wissen, wo die Ladestationen stehen. Ein Praxisbeispiel kam von Gründerin Laura Figulla. Ihr Tipp: Nicht aufs Glück verlassen, sondern mit Gründer*innen und Berater*innen vernetzen.

Die Mittagspause nutzten alle Beteiligten zum Austausch am Buffet oder zum Besuch der Ausstellungsfläche. Neben den Ständen der Netzwerkpartner und einiger Startups konnten sich die Teilnehmer*innen der Konferenz Informationen zu den Themen „Erfindungen und Patente“, „Finanzielle Förderung“ und „Rapid Prototyping“ (3D-Druck) einholen.

Fünf Startups stellen sich vor

Den Nachmittag eröffneten fünf junge Gründer*innen mit Pitches zu ihren Startups. Den Anfang machte Viola Fühner von der Norden Vaccines GmbH (Braunschweig), einem Unternehmen, das an einem Impfstoff gegen Zecken arbeitet. Benjamin Holmer von der MinkTec GmbH (Braunschweig) erläuterte anschließend die Idee von der flexiblen Sensorik gegen Rückenschmerzen und seiner Vision vom „Spinecoach“. Danach stellte Christian Goßler von der OptoGenTech GmbH (Göttingen) ein optisches Cochlea-Implantat für Hörgeschädigte vor. Bei Thomas Lingner von der Genevention GmbH (Göttingen) ging es anschließend um Werkzeuge für die Systemmedizin der Zukunft und eine Verbesserung der personalisierten Behandlung. Im letzten Pitch gab Pascal Milfeit einen Einblick in die Arbeit der Abcalis GmbH (Braunschweig). Das Unternehmen produziert exakt definierte und tierversuchsfreie Antikörper als hochwertigere Alternative für die Diagnostik.

Podiumsdiskussion mit Minister Althusmann

Den Abschluss des Life Science Startup Day bildete die Podiumsdiskussion zum Thema Gründungsförderung und Potenziale in Niedersachsen. Moderator Janezic begrüßte auf der Bühne zunächst den niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, der umgehend seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass seine Idee einer Startup-Konferenz so hervorragend umgesetzt worden sei. Rechts und links reihten sich anschließend seine Diskussionspartner ein: Unternehmerin Andrea Jochheim-Richter, die Unternehmer Philip Mertes und Lothar Germeroth, Stefan Beerhalter, Vizepräsident des German Accelerator Life Sciences, sowie Joachim Kreuzburg, CEO bei Sartorius, und Philipp Schulte-Noelle, CEO bei Ottobock.

Althusmann eröffnete mit einem Impuls, in dem er auf die Startup-Kultur in Deutschland zu sprechen kam. Sie sei heute deutlich besser, als noch vor wenigen Jahren. Sogar auf Norderney gebe es ein Startup. Ändern müsse sich allerdings der Umgang mit negativen Erfahrungen. „Scheitern ist kein Makel, sondern der Aufruf, wieder aufzustehen.“

Startups gründen wie in den USA

Joachim Kreuzburg mahnte an, dass nicht nur Kultur, sondern auch Forschung und Kompetenz nötig seien, um Potenziale auszuschöpfen. An den Unis sollten nach Möglichkeit Dozent*innen mit Ausbildungserfahrung eingesetzt werden. Schulte-Noelle wies darauf hin, dass die Life Sciences ein herausfordernder Bereich seien, der bei Industrie und Politik einen langen Atem erfordere. Beerhalter lieferte einen Vergleich mit den USA, wo reihenweise erfolgreiche Startups gegründet, finanziert und verkauft würden. „Das brauchen wir hier auch.“

Zum Abschluss wünschte Minister Althusmann allen anwesenden Gründer*innen viel Erfolg und schloss mit dem Zitat: „Was nützt der schönste Sonnenschein, wenn man nicht aufsteht.“

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